Geschichte der Gemeinde Perl
Die Geschichte der Gemeinde Perl ist geprägt von ihrer besonderen Lage an der Mosel und im heutigen Dreiländereck. Seit Jahrtausenden leben Menschen in dieser Region – und seit Jahrhunderten treffen hier unterschiedliche Herrschaftsgebiete, Kulturen und Sprachen aufeinander.
Zur heutigen Gemeinde Perl gehören 14 Ortsteile: Besch, Borg, Büschdorf, Eft-Hellendorf, Keßlingen, Münzingen, Nennig, Oberleuken, Oberperl, Perl, Sehndorf, Sinz, Tettingen-Butzdorf und Wochern. Zu Nennig gehören außerdem Berg, Wies und Bübingen. Zahlreiche Bodenfunde belegen eine Besiedlung des Gebietes bereits seit der Mittelsteinzeit.
Auf den Spuren der Römer
Mit der römischen Herrschaft und der wachsenden Bedeutung der nahe gelegenen Stadt Trier entwickelte sich auch der Obermoselraum. Bis heute zeugen bedeutende archäologische Funde von dieser Epoche.
Besonders eindrucksvoll ist das rund 10 × 15 Meter große römische Mosaik in Nennig. Mit seinen detailreichen Kampfszenen und kunstvollen Ornamenten zählt es zu den bedeutendsten römischen Mosaiken nördlich der Alpen. Ein weiteres herausragendes Zeugnis römischer Geschichte ist die Römische Villa Borg, deren weitläufige Anlage heute rekonstruiert ist und einen lebendigen Einblick in das Leben vor rund 2.000 Jahren ermöglicht.
Dörfer mit langer Geschichte
Die ersten schriftlichen Überlieferungen zu den heutigen Ortsteilen reichen bis in das 9. Jahrhundert zurück. Im Jahr 893 schenkte König Arnulf den Ort Besch dem Trierer Kloster St. Maximin. Nennig wird im Zusammenhang mit einer Schenkung der Trierer Erzbischöfe im Jahr 924 erwähnt, Oberleuken im Jahr 964.
In den folgenden Jahrhunderten finden sich nach und nach auch die übrigen heutigen Ortsteile in Urkunden und kirchlichen Aufzeichnungen. Die Region war dabei keineswegs ein einheitliches Herrschaftsgebiet. Kurtrier, Luxemburg und Lothringen sowie verschiedene Adelsgeschlechter und kirchliche Institutionen bestimmten über Jahrhunderte die politischen Verhältnisse.
So gehörten Besch und Borg zur luxemburgischen Herrschaft, während Tettingen-Butzdorf, Sinz und Teile von Oberleuken Kurtrier unterstanden. In Nennig teilten sich zeitweise mehrere Herrschaften die Rechte. Perl, Oberperl und Sehndorf wiederum bildeten eine eigene reichsunmittelbare Herrschaft im Besitz des Trierer Domkapitels.
Die heutige Grenzlage Perls hat damit tiefe historische Wurzeln.
Zwischen Frankreich und Preußen
Auch zu Beginn der Neuzeit blieb die Obermosel eine politisch umkämpfte Region. Um 1800 kamen die heutigen Ortsteile unter französische Herrschaft. Nach dem Ende der napoleonischen Zeit wurden die politischen Verhältnisse erneut grundlegend verändert.
Nach den Pariser Friedensschlüssen von 1814 und 1815 und einer kurzen österreichisch-bayerischen Verwaltung kamen die Orte 1816 zum Kreis Saarburg und damit zu Preußen. Perl wurde erneut zum Grenzort. Saarburg blieb für rund 130 Jahre Sitz der zuständigen Kreisverwaltung.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörten die damaligen Gemeinden zunächst zur französischen Besatzungszone. 1946 wurden sie dem Saarland zugeordnet und gehören seit 1947 zum Landkreis Merzig-Wadern.
Die heutige Gemeinde Perl entsteht
Ihre heutige kommunale Struktur erhielt die Gemeinde im Zuge der saarländischen Gebiets- und Verwaltungsreform. Zum 1. Januar 1974 wurden die bis dahin selbstständigen Gemeinden des Amtes Perl zur neuen Gemeinde Perl zusammengeschlossen.
Was über Jahrhunderte eine besondere Herausforderung darstellte, ist heute eine der größten Stärken unserer Gemeinde: ihre Lage an den Grenzen zu Luxemburg und Frankreich.
Von der Grenzlage zum grenzenlosen Europa
Mit dem europäischen Einigungsprozess hat sich die Bedeutung der Grenzen grundlegend verändert. Wo Grenzen früher trennten, verbinden heute Straßen, Wege, Arbeitsplätze, Freundschaften und gemeinsame Projekte die Menschen miteinander.
Politische, wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Beziehungen reichen weit über die Staatsgrenzen hinaus. Viele Menschen überqueren die Grenzen täglich auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen oder in ihrer Freizeit. Auch die gemeinsame moselfränkische Sprache verbindet die Menschen diesseits und jenseits der Mosel seit Generationen.
Die Geschichte Perls ist damit immer auch eine Geschichte Europas: geprägt von wechselnden Grenzen und Herrschaften und heute von einem grenzüberschreitenden Alltag, der für viele Menschen längst selbstverständlich geworden ist.
Aus einer Gemeinde an den Grenzen ist eine Gemeinde geworden, die von ihrer Lage zwischen drei Ländern lebt und Europa jeden Tag mitgestaltet.
Perl – grenzenlos an der Mosel.